Aktuelle Forschung

Auf dieser Seite wird ein kurzer Überblick über interessante Forschungsergebnisse aus anderen Projekten zur Schlaganfallforschung gegeben.


RE-SPECT ESUS-Studie

2019/06/07 Zentraler Bestandteil der Nachbehandlung von Schlaganfällen ist die sekundärprophylaktische Medikation, die Zweitereignisse verhindern soll. Diese wird individuell nach Risikoprofil des Patienten festgelegt. Bei Patientinnen und Patienten mit bereits bekanntem Vorhofflimmern entscheidet man sich der Leitlinie folgend dabei zur oralen Antikoagulation, d.h. einer stärkeren „Blutverdünnung“ durch Tabletten.

Eine bestimmte Patientengruppe ist in dieses Risikoprofil aber schwer einzuordnen, nämlich Patienten, deren Befundkonstellation eine Ursache des Schlaganfalls in einer Herzerkrankung bzw. Rhythmusstörung (Vorhofflimmern) vermuten lassen, ohne diese zum Zeitpunkt des Schlaganfalls nachweisen zu können. Man spricht dann von einem „embolic stroke of undetermined source“ (ESUS).

In zwei Studien – zuletzt der RE-SPECT ESUS-Studie, die vergangenen Monat publiziert wurde – wurde untersucht, ob Patientinnen und Patienten mit ESUS (s.o.) von einer Antikoagulation profitieren, d.h. hierunter weniger Zweitereignisse eintreten als unter der Standardmedikation wie beispielsweise Acetylsalicylsäure.

Leider konnten hierbei keine Vorteile einer stärkeren „Blutverdünnung“ festgestellt werden, sodass in zukünftigen Studien weitere Diagnostik- und Behandlungsoptionen genauer untersucht werden müssen. Die Studie zeigt auch wie wichtig die Nachsorge bei Schlaganfallpatienten ist, da im Rahmen dieser regelmäßig nach Risikofaktoren für Zweitereignisse gesucht wird und die sekundärprophylaktische Medikation entsprechend angepasst werden kann.

Referenz: Diener HC, Sacco RL, Easton JD, Granger CB, Bernstein RA, Uchiyama S, Kreuzer J, Cronin L, Cotton D, Grauer C, Brueckmann M, Chernyatina M, Donnan G, Ferro JM, Grond M, Kallmünzer B, Krupinski J, Lee BC, Lemmens R, Masjuan J, Odinak M, Saver JL, Schellinger PD, Toni D, Toyoda K; RE-SPECT ESUS Steering Committee and Investigators. Dabigatran for Prevention of Stroke after Embolic Stroke of Undetermined Source. N Engl J Med 2019; 380: 1906-1917.


INSPiRE-TMS

In einer aktuell veröffentlichen, federführend von der Charité – Universitätsmedizin Berlin durchgeführten internationalen Studie, wurde der Effekt einer strukturierten Nachsorgebehandlung nach kleineren Schlaganfällen und vorübergehenden Durchblutungsstörungen des Gehirns (den sogenannten transitorisch-ischämischen Attacken, TIA) untersucht. Dabei stellten die Forscher die individuelle Konstellation von Risikofaktoren bei den untersuchten Patienten in den Fokus und begleiteten Betroffene durch regelmäßige Termine bei erfahrenen und speziell ausgebildeten Pflegekräften. Ziel war die Vermeidung eines erneuten Schlaganfalls durch die Veränderung von Lebensgewohnheiten und regelmäßige Einnahme der Medikamente.

Leider konnte durch die zusätzliche Betreuung der Schlaganfallpatienten innerhalb der Nachbeobachtungszeit von etwa dreieinhalb Jahren kein direkter und verbindlicher Effekt auf das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erreicht werden. Wohl aber zeigte sich bei den Patienten mit intensiverer und strukturierter Nachsorge eine deutliche Reduktion von Risikofaktoren, was sich in besseren Blutdruckwerten, niedrigeren Cholesterinwerten und auch häufiger erfolgreicher Rauchentwöhnung zeigte. Insofern liegt ein positiver Effekt in Bezug auf das Auftreten zukünftiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahe, dessen statistische Abbildung in dem vergleichsweise kurzen Beobachtungszeitraum unter Studienbedingungen lediglich nicht gelang.

Wir freuen uns, dass das Thema Schlaganfall-Nachsorge in der aktuellen Forschung an Bedeutung gewinnt und dass innovative Versorgungskonzepte diskutiert bzw. in klinischen Studien bereits überprüft werden. Der im Projekt PostStroke-Manager vorgesehene, kombinierte Ansatz aus persönlichem Kontakt und digitaler Unterstützung könnte einen entscheidenden Schritt in der Weiterentwicklung innovative Versorgungskonzepte leisten und gleichzeitig spannende neue Impulse setzen.

Referenz: Ahmadi M, Laumeier I, Ihl T, et al. A support programme for secondary prevention in patients with transient ischaemic attack and minor stroke (INSPiRE-TMS): an open-label, randomised controlled trial. Lancet Neurology 2020; 19: 49-60